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Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Druckversion

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Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Gertrud - 16.11.2018

Man weiß nie, ob diese bipolare Störung durch den Leistungssport einschließlich der Dopingeinnahme gekommen oder anlage- oder erziehungsbedingt ist. In jedem Fall ist es ein hartes Päckchen, das er zu tragen hat. Bei ihm kommen aber wohl immer wieder berufliche und private Misserfolge hinzu.

Ich nehme mal nur die beruflichen Misserfolge heraus. Man sollte bei Schützlingen immer einen dualen Weg vorschlagen. Vom Diskus-, Speerwerfen oder Kugelstoßen kann man später nicht leben. Wenn man das missachtet, kommen später düstere Gedanken, weil der "Hero" in ein ganz tiefes Loch fällt und feststellt, dass die früheren "Freunde" auch nicht mehr helfen. Es sind vielfach auch frühere Berufsangebote (wie in früheren Jahren bei Bayer Leverkusen oder bei Steilmann) weggebrochen. Man muss sein Leben niemals in fremde Hände geben!!!

Auf der anderen Seite kann einem der Sport auch sehr viel wie Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen geben. Man muss ihn nur richtig kanalisieren. Die Lebenswege sind durch ganz unterschiedliche Ansichten geprägt. Womit ich glücklich bin, würde andere vielleicht unglücklich machen. Die Meinungen ändern sich auch altersbedingt. Ich hätte als Sportlerin niemals solche Gedanken wie heute gehabt, wo der Tod zwar nicht vor der Tür steht, aber sich schon einmal einen Parkplatz ausgesucht hat (Comedian Jochen Busse).  Wink

Gertrud


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - dominikk85 - 16.11.2018

Wobei das in der DDR ja anders war, da wurden die athleten in irgendeinem staatsbetrieb versorgt und kamen über die runden. Schenk hat ja vermutlich damals nicht damit gerechnet das die DDR irgendwann pleite ist und deshalb nicht so viel wert auf die Ausbildung gelegt.

heute sieht das natürlich anders aus, kaum jemand kann in der LA so viel verdienen das er davon sein leben lang zehren kann.

ich habe aber auch nicht den Eindruck das das bei uns extrem häufig wäre, sehr viele DLV athleten studieren ja zum Beispiel. Da ist eher der Fußball ein Problem wo mehr bildungsferne schichten unterwegs sind und der Traum vom profi groß ist. Dazu kommt das selbst in der regionalliga ein paar tausend im monat verdient werden was gut zum leben reicht, aber natürlich nicht um ein ausreichendes Polster für nach der Karriere zu schaffen.


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - benutzer - 16.11.2018

ist das nicht meist ein Problem der absoluten Spitze?
Wer aus freude Leichtathlet ist und meist nur Durchschnitt war wird kluger weise etwas handfestes gelernt haben.
Viele der Spitzensportler dagegen meinen man muss und wird ihnen ewig den Teppich ausrollen.
Da werden falsche Erwartungen geweckt und ein überzogenes Bild von sich selbst entsteht.
Ein vielleicht geschaffener Posten in der Anschlusszeit nach aktiver Zeit wird nicht die Befriedigung bringen.
Wer meint, nach einem Olympiasieg eine lebenslange Rente verdient zu haben, ist schon auf dem Holzposten
Sport ist Sport, das Leben danach etwas ganz anderes.


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Gertrud - 16.11.2018

(16.11.2018, 15:57)benutzer schrieb: ist das nicht meist ein Problem der absoluten Spitze?
Wer aus freude Leichtathlet ist und meist nur Durchschnitt war wird kluger weise etwas handfestes gelernt haben.
Viele der Spitzensportler dagegen meinen man muss und wird ihnen ewig den Teppich ausrollen.
Da werden falsche Erwartungen geweckt und ein überzogenes Bild von sich selbst entsteht.
Ein vielleicht geschaffener Posten in der Anschlusszeit nach aktiver Zeit wird nicht die Befriedigung bringen.
Wer meint, nach einem Olympiasieg eine lebenslange Rente verdient zu haben, ist schon auf dem Holzposten
Sport ist Sport, das Leben danach etwas ganz anderes.


Absolut richtig! Nach dem Sport beginnt ein ganz anderes Kapitel. Das Leben im Leistungssport gaukelt oft ein Scheinleben vor.

Gertrud


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Javeling - 16.11.2018

Frage : 'Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen?'
Antwort : 'Nichts !'



RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Gertrud - 17.11.2018

(16.11.2018, 18:14)Javeling schrieb: Frage : 'Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen?'
Antwort : 'Nichts !'

Ich lehne nicht so kategorisch ab, sondern versuche, in jeder Form zu optimieren. Warum ist er so stark in diese bipolare Störungssituation gerutscht? Ich sehe diese überdimensionale Verliebtheit in die sportlichen Erfolge, das temporäre im Mittelpunkt Stehen und die damit verbundene überdimensionale Vernachlässigung anderer Lebensbereiche als einen sehr großen Fehler an. Davon können junge AuA schon lernen. 

Ich nehme mich mal in meinen unterschiedlichen Lebensphasen. Auch ich habe den Fehler als Trainerin für mich selbst gemacht, zeitweise nur noch den Sport zu sehen und alle anderen Bereiche, u.a. auch meine gesundheitlichen Bedürfnisse, vollständig zu vernachlässigen. Irgendwann kommt es dann ganz dick! Man ist in einem Tunnel, der einem irgendwann körperlich und emotional nicht mehr guttut. Es ist allerdings so, dass auch gutgemeinte Hinweise von Freunden nicht immer an die Wurzel der Empfindungen vordringen. Auch ich war in hohem Maße beratungsresistent. Heute habe ich außer meiner sportlichen Leidenschaft auch sehr viel Spaß an wirklich guten Zusammenkünften mit Freundinnen und Freunden. Das war für mich damals nur Zeitverschwendung. Es ist seltsam, das zu formulieren; aber damals haben die Trennung von Sabine und ein völlig neues Umfeld meine heilsame Wandlung eingeleitet. Ein Spitzenmann in einem bestimmten Bereich hat in einer einzigen Zusammenkunft einen völlig neuen Lebensabschnitt bei mir eingeleitet - und das war sehr heilsam!!! 

Ich sehe heute AuA oft in der Zwickmühle der Erfolgssucht, die alles andere überdeckt und viele Bereiche vernachlässigt. Es ist wahnsinnig wichtig, diese Balance zu finden. Daran können hauptberufliche Trainer/innen oft aus Abhängigkeit und Erfolgsdruck nicht vernünftig "schrauben". In der Hinsicht können AuA und Trainer/innen oft nur durch Schockerlebnisse "geheilt" werden.

Gertrud


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - benutzer - 17.11.2018

unbestritten ist eine Ausbildung neben der Karriere nötig.
Athleten + DLV wissen das und der DLV bemüht sich da auch.
es bleibt aber eine Gratwanderung beides hin zu bekommen.
Selbst ein meist zeitlich gestrecktes Studium ist nur eine Grundlage.
es gibt genug arbeits lose Akademiker. Hinzu  komt dass dem Athleten nach Studienabschlus der sofortige Einstieg ins Berufsleben fehlt, ein Nachteil gegenüber normal-Studierenden.Die fehlende Berufserfahrung macht einen Anfang nicht leichter.
iIh erinnere mich an Ch.Reif, der ruck zuck seine Karriere beeendete und bei Aldi/Lidl ? anfing und das als attraktiv genug ansah.


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Gertrud - 17.11.2018

(17.11.2018, 10:56)benutzer schrieb: unbestritten ist eine Ausbildung neben der Karriere nötig.
Athleten + DLV wissen das und der DLV bemüht sich da auch.
es bleibt aber eine Gratwanderung beides hin zu bekommen.
Selbst ein meist zeitlich gestrecktes Studium ist nur eine Grundlage.
es gibt genug arbeits lose Akademiker. Hinzu  komt dass dem Athleten nach Studienabschlus der sofortige Einstieg ins Berufsleben fehlt, ein Nachteil gegenüber normal-Studierenden.Die fehlende Berufserfahrung macht einen Anfang nicht leichter.
iIh erinnere mich an Ch.Reif, der ruck zuck seine Karriere beeendete und bei Aldi/Lidl ? anfing und das als attraktiv genug ansah.

Das gute Procedere schließt ein sehr gutes Zeitmanagement ein. Der Tag beginnt dann eben nicht um 10 Uhr morgens. Testosteron ist in der Frühe am höchsten - jetzt bitte nicht abschweifen!!! Wink ‌Zudem müssen alle Türen der möglichen Trainingsstätten geöffnet werden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich neben Heinz Hüsselmann die einzige Trainerin war, die einen Generalschlüssel zu den Wattenscheider Anlagen hatte. Solche Bedingungen müssen generalisiert werden, wenn AuA und Trainer/innen gut mit dem Equipment umgehen. Das ist allerdings aus meiner Sicht ein absolutes Muss!!! 

Man geht in Deutschland leider nicht mal eben auf dem Campus von der Leichtathletikanlage zur Biochemie z.B.. Da trennen uns Welten von den USA. Es verhält sich hier alles etwas "kleinkarierter". 

Auch der Verband muss sich daran gewöhnen, dass solide Studenten oder im Beruf stehende Athleten nicht mal eben ins TL nach Südafrika mitfliegen können. Der Beruf geht auch temporär vor! Es spricht sicherlich nichts dagegen, vielleicht ein oder zwei Semester wegen leichtathletischer Höhepunkte wie WM und OS anzuhängen. Ich wehre mich aber vehement dagegen, alle nun bei der Bundeswehr oder Polizei unterzubringen. Der Traumberuf muss erreichbar sein. Schließlich hat man noch 30-60 Jahre nach dem Leistungssport. Die Urkunden an der Wand sind dann kein ausreichendes Trostpflaster. Das ist meine persönliche Meinung, wobei jede/r anders denken kann.

Gertrud


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Astra - 17.11.2018

Mich würde sehr viel mehr interessieren, ob Schenk in der LA einer der weinigen Fälle ist oder ob die Mehrzahl der Athleten der späteren DDR heute ähnliche Probleme hat.
Man hat zwar von einigen wie Andreas Krieger gehört, aber andere Spitzenathleten sind doch wohl bis jetzt unauffällig obwohl z.b. Ilona Slupianek sogar mal erwischt wurde.
Zumindest habe ich nichts über die bekannten Sprinterinnen mitbekommen.


RE: Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen? - Javeling - 17.11.2018

(17.11.2018, 08:24)Gertrud schrieb:
(16.11.2018, 18:14)Javeling schrieb: Frage : 'Was kann man aus dem Leben von Christian Schenk lernen?'
Antwort : 'Nichts !'
Ich lehne nicht so kategorisch ab, sondern versuche, in jeder Form zu optimieren. Warum ist er so stark in diese bipolare Störungssituation gerutscht? Ich sehe diese überdimensionale Verliebtheit in die sportlichen Erfolge, das temporäre im Mittelpunkt Stehen und die damit verbundene überdimensionale Vernachlässigung anderer Lebensbereiche als einen sehr großen Fehler an. Davon können junge AuA schon lernen.......
Gertrud

-Kurzes Zitat - Überhaupt ist Schenks Leben eine rasante Achterbahnfahrt: Mal rauf – mal runter, im privaten wie im geschäftlichen Bereich. Scheidung von seiner ersten Frau Helke – „Es traf mich wie einen Schlag. Ich fühlte mich mickrig wie ein Wurm. Ich war doppelt betrogen worden: von meiner Frau und meinem damals besten Freund.“ Hochzeit und dann später erneut Trennung von seiner zweiten Frau Dawn, die er auf Schloss Liebenberg geheiratet hatte.
Die Söhne Arvid und Aaron sind Christian Schenk in seinem Leben eine der wenigen festen Konstanten. Arvid setzte sich persönlich dafür ein, dass sein Vater nach der Leichtathletik-WM in Berlin im November 2009 in eine Klinik eingeliefert wird. Die manischen ersetzen oft die depressiven Phasen und umgekehrt. Als schließlich Wahn-Vorstellungen („Ich hielt mich für Anis Amri; den Attentäter vom Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz“) mit Selbstmordgedanken abwechseln, hat Schenk Glück, dass ihm erneut Freunde helfen.- Zitatende -

>>>>'Mal rauf - mal runter' im Leben ist keine neue Erkenntnis. Neu sind jedoch die Scheidungen, die Betrügereien und andere privaten und geschäftlichen Probleme. Neu auch, dass er sich für Amri gehalten hat. Neu auch, dass er spät, sehr spät seine Dopingvergangenheit bekannt gab. Vorher war er lupenrein. Neu auch, dass sein Geständnis erst mit der Veröffentlichung seines Buches erfolgte. Alt ist jedoch die Erkenntnis, dass nach vielen Problemen 'depressive Phasen' folgen können. Kann man alles heutzutage googeln, wenn man über keine Fachbücher verfügt.
Schon dieser kurze Ausschnitt zeigt, dass man aus diesem Leben nichts lernen kann. Auch nicht, wenn er immer wieder in der Öffentlichkeit betont, dass er sich tatsächlich für Amri hielt..........
Heinz Engels, Mainz