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Drehstoß - Geschichtliches und Technisches - Druckversion

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RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - Gertrud - 11.11.2014

(11.11.2014, 18:55)gera schrieb: Natürlich weiß ich , dass das IAT über viel mehr Kenntnisse verfügt, als die im lapidaren Artikel genannten.
Es bleibt trotzdem die Frage, weshalb Deutschland in der technischen Entwicklung der Kugelstoßer mind. 20 Jahre zurückhängt.
Der Drehstoß ermöglicht nun mal eine größere Abstoßgeschwindigkeit, auch wenn einige O`Brien-Techniker gern als Gegenbeweis angeführt werden.

Man muss fairerweise sagen, dass nicht alle den Drehstoß können, die aber mit dem Angleiten zurechtkommen. Es ist folglich auch eine Frage des technischen Talentes. Es ist aber auffällig, dass in den USA und Neuseeland der Drehstoß bei den Männern bevorzugt wird.

Gertrud


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - MZPTLK - 11.11.2014

(11.11.2014, 17:12)MZPTLK schrieb:
(11.11.2014, 17:08)dominikk85 schrieb: Gab es nicht mal einen DDR drehstoßer, der aber irgendwie bei der führung in ungnade war und deshalb nicht international starten durfte?
Rolf Oesterreich.
Unglaublicher Typ.
'Nur' 1,80/100 Kg.
Hatte sich die Drehstosstechnik selbst beigebracht und 1976 damit 22,11(WR) gestossen.
Die DDR-Funktionäre hatten ihn aber sabotiert.

Er war und ist Trainer von KugelstosserInnen der Ü18m-Klasse.
Hat mit K. Bartonietz und W. Goldmann übers Kugelstossen geschrieben.
Auf seiner HP 'Drehstosstechnik' sind interessante Dokumente zu seiner Geschichte und sehr lehrreiche Hinweise zur Drehstosstechnik zu lesen.


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - dominikk85 - 11.11.2014

(11.11.2014, 18:55)gera schrieb: Natürlich weiß ich , dass das IAT über viel mehr Kenntnisse verfügt, als die im lapidaren Artikel genannten.
Es bleibt trotzdem die Frage, weshalb Deutschland in der technischen Entwicklung der Kugelstoßer mind. 20 Jahre zurückhängt.
Der Drehstoß ermöglicht nun mal eine größere Abstoßgeschwindigkeit, auch wenn einige O`Brien-Techniker gern als Gegenbeweis angeführt werden.

wobei der angleit rekord nur 6cm unter dem drehstoß rekord liegt.

die jahresbestleistung wurde meistens von einem dreher aufgestellt, aber die meisten WMs und OS der letzten 15 jahre wurden von angleitern gewonnen (eventuell die stabilere technik?)

die geschichte hat gezeigt, dass das angleiten zumindest ähnliche weiten ermöglicht und das auch bei größerer stabilität.


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - MZPTLK - 11.11.2014

(11.11.2014, 19:57)dominikk85 schrieb: die jahresbestleistung wurde meistens von einem dreher aufgestellt, aber die meisten WMs und OS der letzten 15 jahre wurden von angleitern gewonnen (eventuell die stabilere technik?)

die geschichte hat gezeigt, dass das angleiten zumindest ähnliche weiten ermöglicht und das auch bei größerer stabilität.
Ich halte die Drehstosstechnik für die potentiell Bessere:
1. 'Kleine' Leute können damit 2-4 Meter mehr als mit der Angleittechnik erreichen
2. Wenn die 'Grossen' es lernen, das nur halb so gut umzusetzen, fällt der Weltrekord
3. Die Drehstosstechnik ist immer noch nicht ausgereift, vor allem was das individuelle Potential vieler - vor allem grösserer -  Athleten angeht

Man kann oder muss Jacko Gills Harakiri-Training sehr kritisch sehen,
aber was die Technik angeht, zeigt er auf, in welche Richtung es gehen kann oder muss.
Und es wird in nicht allzu ferner Zukunft grosse, schnelle, athletisch top vorbereitete 'Gill-Schüler' geben, die eine neue Ära des Kugelstossens eröffnen.

Wie die Entwicklung auch immer weitergeht, das Drehstossen wird immer eine grössere Streuung haben als die 'gerade' Technik.


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - dominikk85 - 11.11.2014

(11.11.2014, 20:06)MZPTLK schrieb:
(11.11.2014, 19:57)dominikk85 schrieb: die jahresbestleistung wurde meistens von einem dreher aufgestellt, aber die meisten WMs und OS der letzten 15 jahre wurden von angleitern gewonnen (eventuell die stabilere technik?)

die geschichte hat gezeigt, dass das angleiten zumindest ähnliche weiten ermöglicht und das auch bei größerer stabilität.
Ich halte die Drehstosstechnik für die potentiell Bessere:
1. 'Kleine' Leute können damit 2-4 Meter mehr als mit der Angleittechnik erreichen
2. Wenn die 'Grossen' es lernen, das nur halb so gut umzusetzen, fällt der Weltrekord
3. Die Drehstosstechnik ist immer noch nicht ausgereift, vor allem was das individuelle Potential vieler - vor allem grösserer -  Athleten angeht

Man kann oder muss Jacko Gills Harakiri-Training sehr kritisch sehen,
aber was die Technik angeht, zeigt er auf, in welche Richtung es gehen kann oder muss.
Und es wird in nicht allzu ferner Zukunft grosse, schnelle, athletisch top vorbereitete 'Gill-Schüler' geben, die eine neue Ära des Kugelstossens eröffnen.

Wie die Entwicklung auch immer weitergeht, das Drehstossen wird immer eine grössere Streuung haben als die 'gerade' Technik.

die drehstoßtechnik gibt es bereits seit 30 jahren und gerade die amis hatten einige extrem athletische und große athleten.

es ist ja jetzt nicht so, dass die drehtechnik völlig neu ist.

cantwell, oldfield, godina, whiting, barnes sind alles sehr kräftige und schnelle athleten gewesen.

außerdem haben große athleten auch einfach das problem, dass der ring einen fuß kleiner ist als der diskusring, sie müssen also die technik anpassen, was nicht heißt, dass diese technik schlechter wäre.

ich wüsste nicht warum eine technik die seid 20 jahren von der größten sportnation der welt optimiert wird jetzt plötzlich noch einen sprung nach vorne machen soll.


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - MZPTLK - 11.11.2014

(11.11.2014, 20:28)dominikk85 schrieb:
(11.11.2014, 20:06)undefined schrieb: die drehstoßtechnik gibt es bereits seit 30 jahren und gerade die amis hatten einige extrem athletische und große athleten.
es ist ja jetzt nicht so, dass die drehtechnik völlig neu ist.
cantwell, oldfield, godina, whiting, barnes sind alles sehr kräftige und schnelle athleten gewesen.
außerdem haben große athleten auch einfach das problem, dass der ring einen fuß kleiner ist als der diskusring, sie müssen also die technik anpassen, was nicht heißt, dass diese technik schlechter wäre.
ich wüsste nicht warum eine technik die seid 20 jahren von der größten sportnation der welt optimiert wird jetzt plötzlich noch einen sprung nach vorne machen soll.
Oldfield war eher langsam, bei Cantwell sind die unteren Antriebe  vernachlässigt,
Godina kommt der Sache näher, aber es wird bessere Athleten geben, das Gleiche gilt für Whiting und Barnes.
Ich sehe eher sowas wie einen 'grossen Bruder' von Nelson als Vorbild.

Dass der kleine Ring für die Grossen leistungshindernd ist oder sein kann, wurde schon öfter diskutiert.
Das sehe ich tatsächlich auch so, denn gerade die grossen, schnellen Athleten mit guter Technik
werden dadurch mehr oder weniger 'bestraft.'

Der Sprung nach vorne wird ganz klar von Jacko Gill verkörpert.

In Deutschland ist der frühere Weltklasse-(Dreh-)Kugelstosser(22,11) und heutige Trainer Rolf Oesterreich
einer der Haupt-Protagonisten der Drehstosstechnik.
Er zeigt u.a. mit seinem Athleten Artur Hoppe die Effektivität und Attraktivität dieser Technik.
2014 hat er den drehenden 'kleinen Mann' Christian Jagusch um über einen Meter auf 19,74 verbessern können.


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - dominikk85 - 11.11.2014

(11.11.2014, 20:46)MZPTLK schrieb:
(11.11.2014, 20:28)dominikk85 schrieb:
(11.11.2014, 20:06)undefined schrieb: die drehstoßtechnik gibt es bereits seit 30 jahren und gerade die amis hatten einige extrem athletische und große athleten.
es ist ja jetzt nicht so, dass die drehtechnik völlig neu ist.
cantwell, oldfield, godina, whiting, barnes sind alles sehr kräftige und schnelle athleten gewesen.
außerdem haben große athleten auch einfach das problem, dass der ring einen fuß kleiner ist als der diskusring, sie müssen also die technik anpassen, was nicht heißt, dass diese technik schlechter wäre.
ich wüsste nicht warum eine technik die seid 20 jahren von der größten sportnation der welt optimiert wird jetzt plötzlich noch einen sprung nach vorne machen soll.
Oldfield war eher langsam, bei Cantwell sind die unteren Antriebe  vernachlässigt, Godina kommt der Sache näher, aber es wird bessere Athleten geben, das Gleiche gilt für Whiting und Barnes.
Ich sehe eher sowas wie einen 'grossen Bruder' von Nelson als Vorbild.

Dass der kleine Ring für die Grossen leistungshindernd ist oder sein kann, wurde schon öfter diskutiert. Das sehe ich tatsächlich auch so, denn gerade die grossen, schnellen Athleten mit guter Technik werden dadurch mehr oder weniger 'bestraft.'

Der Sprung nach vorne wird ganz klar von Jacko Gill verkörpert.
oldfield war langsam?

von ihm werden unglaubliche sprint und sprungleistungen kolportiert (um 2m hochsprung, mittlere 10er zeiten über 100m). es gibt ja auch ein video von ihm wie er ein dunking mit einer 7 kilo kugel macht.
 


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - MZPTLK - 11.11.2014

(11.11.2014, 20:57)dominikk85 schrieb: oldfield war langsam?
von ihm werden unglaubliche sprint und sprungleistungen kolportiert (um 2m hochsprung, mittlere 10er zeiten über 100m). es gibt ja auch ein video von ihm wie er ein dunking mit einer 7 kilo kugel macht.
Die mittleren 10er Zeiten glaube ich nicht, trotz Dopings.
Sollte er das wirklich geschafft haben, Hut ab.
Grundsätzlich können viele Weltklassekugelstosser zumindest die ersten 30 bis 50 m
mit sub-11-Sek-Läufern gut mithalten oder sie sogar schlagen.

2 m Hoch ist gut, aber nicht aussergewöhnlich.
Al Feuerbach konnte im Stand 1,05 hoch springen(KSP-Lifting).
Die Dunkingleistung ist ebenfalls nichts besonderes,
Oldfield war ziemlich gross, die Kugel hat einen geringen Durchmesser.
Geh mal davon aus, dass Al Feuerbach als kleinerer Stosser eine Reichhöhe von etwa 2,50 hatte.
Zähle die 1 m aus dem Stand dazu, dann bist Du bei 3,50, der Ring ist 3.05.
Mit Anlauf geht es noch etwa 15 cm höher...und die Kugel ist für diese Kerle eine Murmel.


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - Gertrud - 11.11.2014

(11.11.2014, 19:36)MZPTLK schrieb:
(11.11.2014, 17:12)MZPTLK schrieb:
(11.11.2014, 17:08)dominikk85 schrieb: Gab es nicht mal einen DDR drehstoßer, der aber irgendwie bei der führung in ungnade war und deshalb nicht international starten durfte?
Rolf Oesterreich.
Unglaublicher Typ.
'Nur' 1,80/100 Kg.

Die 1,80m werden wohl stimmen; waren es wirklich nur 100kg? Das kann ich kaum glauben. Diese Werte entsprechen sehr oft nicht der Realität. Ich habe damals 85kg gewogen. Eine andere Werferin war größer und voluminöser als ich und stand meistens mit 72kg in den Listen. Wink

Gertrud


RE: Wirklich neuartiges Schnelligkeits-Wurftraining? - Diskusmann - 12.11.2014

Zu Oldfield: Brian war mit 1,96m kein absoluter Riese, hatte aber sicher eine gute Größe für einen Weltklassekugelstoßer. Die allgemein angegebenen 125Kg Körpergewicht sind für seine beste Zeit von Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre etwas zu niedrig taxiert, es werden sicher zehn Kilo mehr gewesen sein. Oldfield war sehr athletisch mit herausragenden Sprint- und Sprungfähigkeiten. Sein Lösen und die Höhe während des Ausstoßes sind legendär, seine reaktiven Fähigkeiten waren außerordentlich. Seinem Ungestüm ist es sicher zuzurechnen, dass er nicht als erster Stoßer 23m übertroffen hat, sondern bei 22,86m hängen blieb. Berichtet werden von ihm mehrmals Weiten über 24 Meter bei Aufwärm- und Trainingsstößen, alle allerdings ungültig, da er diese Stöße nicht halten konnte; sie sprechen aber für das Potenzial Oldfields.

Drehstoß ist deutlich länger bekannt als nur 30 Jahre. Bereits vor über 60 Jahren wurde in den USA und in der damaligen Tschechoslowakei mit Drehstoß experimentiert, selbst in meinem eigenen Verein existieren Filmaufnahmen vom Ende der 60er Jahre, die einen Kugelstoßer beim Training mit der Drehstoßtechnik zeigen. Die Technik war also bekannt.
In der Sowjetunion erkannte man das volle Potenzial der Technik und nahm sich ihrer sportwissenschaftlich an. Als Ergebnis zeigte Baryshnikov diese Technik erstmals 1972 bei den OS in München, blieb dort aber mit unter 19m deutlich unter Wert. Da er vier Jahre später den Weltrekord auf genau 22m steigerte und damit der erste offizielle 22m-Stoßer (Freiluft, George Woods hatte bereits 1974 mit Angleiten in der Halle über 22 Meter gestoßen) war, benannte man die Technik danach nach ihm. Nicht ganz berechtigt, wie ich meine.